Highlander

1871 ist historisch gesehen ein interessantes Jahr. Während des deutsch-französischen Krieges, der noch im ersten Quartal endete, wurde Wilhelm I. von Preußen im Spiegelsaal von Versailles zum Kaiser ausgerufen sowie das Deutsche Kaiserreich proklamiert. Der erste Deutsche Reichstag tritt zusammen und Otto von Bismarck wird zum Reichskanzler gewählt. Ein kleiner geschichtlicher Auszug. Aber was habe ich mit 1871 zu tun?

Für den Zutritt ins Gebäude meines Kunden benötigt man einen Ausweis. Diese werden in regelmäßigen Abständen neu ausgestellt. Man sollte davon ausgehen, dass diese Ausweise mit entsprechenden IT-Systemen erfasst und mit hinterlegten HR-Daten abgeglichen werden. Auf Basis dieser Daten sollten eigentlich solche Ausweise automatisch erstellt werden. Aber es geht auch anders…

Als ich kürzlich meinen Ausweis erhielt, war ich kurz über das neue Design erstaunt. Ich überprüfte die Daten und wollte den neuen Ausweis schon wegstecken. Aber ich blieb bei einer recht häufig angewendeten Syntaxprüfung hängen. Vereinfacht ausgedrückt zwei Ziffern, ein Punkt, zwei weitere Ziffern und ein weiterer Punkt, gefolgt von vier abschließenden Ziffern. Kurzum sieht so das deutsche Datumsformat aus. Nur was ich auf dem Ausweis sah, konnte diesem Format einfach nicht gerecht werden.

Gut, einen Zahlendreher bringt der Fehlerteufel schnell unter, dafür braucht er nur mit den Augen zu zwinkern. Bei diesen zehn Zeichen hat er sich aber richtig Mühe gegeben. Immerhin, es waren zehn Zeichen. Die Zeichenlänge stimmte also schon mal. Die ersten zwei Zeichen sind eine „1“ und eine „5“. Einwandfrei. Das nächste Zeichen ist ein Komma. Meine Stirn runzelte sich. Moment, ein Komma? Prüfen wir weiter. Danach kommen die Zeichen „9“ und „2“. Wieder sehe ich Fragezeichen auf meiner Stirn. Wieder ein Komma. Was ist denn hier los? Welche Zeichen nun folgen, werden dem aufmerksamen Leser spätesten jetzt klar: „1“, „8“, „7“ und „1“. Insgesamt sieht das ganze Konstrukt dann so aus:

Sämtliche Software, sei es individuelle oder standardisierte, lässt solch eine Eingabe normalerweise nicht zu. Dies ist schon mal ein Hinweis, dass dem Eingabefeld keine Datumsüberprüfung hinterlegt ist, sondern offenbar nur ein Textfeld ohne weitere Prüfung ist. Auf der Tastatur liegen die Zeichen Komma und Punkt direkt neben einander. Bei der Zahl neun  liegen auch weitere Zeichen an. Ich möchte an dieser Stelle verraten, dass die Neun eine Null sein soll. Es wurde somit scheinbar nicht der Ziffernblock verwendet.

Insgesamt wurde von den zehn Zeichen schlicht weg fünfmal die falsche Taste gedrückt. Es bleibt verwunderlich, dass bei aller Sensibilität von Mitarbeiterdaten ein solches Geburtsdatum auf einen Ausweis gedruckt werden kann. Seitdem geht es mir beim Betreten des Gebäudes, wenn ich den Ausweis zücke, manchmal durch den Kopf: „Mein Name ist MacLeod. Duncan MacLeod.“ Zugegeben, die Spielfigur wurde früher geboren. Anders kann ich mir meine lange Lebensdauer ohne große Verschleißerscheinungen nicht erklären.

Autor: Andreas KusserowWebsite: /index.php/prof/profile-aku